Montag, 3. September 2007

Mein Lied geht weiter

Heute wieder ein quasi normaler Arbeitstag, keine 12 Stunden, so wie letzten Montag. Haben herausgefunden, dass das fetteste von den Schweinen im Kinderdorf (die haben da so eine Art kleinen Streichelzoo mit dem sinnigen Namen "Unsere kleine Farm") doch tatsächlich "Schnitzel" heißt. Anscheinend haben manche Kinder doch irgendwie Humor.

Gestern waren meine Tante, mein Onkel und mein kleiner Cousin (mittlerweile fast ein halbes Jahr alt) zu Besuch. Der kleine (Florian heißt er) ist total -ich hätte eigentlich nicht von mir erwartet, dieses Wort mal zu verwenden- knudellig. Ich mag ihn total, und er scheint auch nicht so anstrengend zu sein, wie andere Babies in dem Alter (zumindest nicht Gestern nachmittag^^). Lag die ganze Zeit herum und hat freudig gegluckst... herrlich.

Als ich letzte Woche ein Kind zum Psychologen brachte, habe ich dort im Wartezimmer zwischen etlichen "Gala"s, "Bunte"n und "Stern"en einen Gedichtband von Mascha Kaléko gefunden, diesen quasi verschlungen und mich sofort in Kalékos Lyrik verliebt. Vorher habe ich von dieser Frau wirklich noch garnichts gehört, nicht mal den Namen. Am Wochenende zog ich dann los und besorgte mir erstmal einen Band mit 100 Gedichten von ihr, eine Gesamtausgabe habe ich bisher nicht finden können.
Solange das Leben noch solche Überaschungen schreibt, kann es eigentlich garnicht so verkehrt sein.

nur das Beste, till

Was man so alles überlebt

Ich frage mich oft,
Und ich gehe mir dabei selbst auf die Nerven.
Denn es ist eine Frage in mehreren Strophen:
Warum werfen uns seelische Katastrophen
Nicht um?

Gewiß, sie tun es schon. Aber sozusagen auf Raten.
Wenn wir, zum Beispiel, bei einem Unfall
Gründlich unter die Räder geraten,
ist das eine einmalige Sache.
Und der Tod
Kommt
Prompt.

Hingegen, wenn uns, na, sagen wir es blumig,
Das sogenannte Rad des Lebens -
"Zermalmt" ist da wohl das richtige Wort -
So geschieht das keineswegs sofort.
Das Unglück läppert sich. Mit oder ohne Schuld.
Die Katastrophe sagt mit fast zynischem Gähnen:
Geduld, Geduld!
Du wirst dich schon an mich gewöhnen.

Wenn das, was wir Liebe zu nennen gewohnt sind,
Stirbt,
Geschieht es auch selten auf einen Schlag,
Sondern auch nur so schrittweise, Tag um Tag
Vielleicht ein Tausendstel Millimeter.
- Sonst gäb's chronische Epidemien von gebrochenen Herzen
So aber verschmerzen wir's fast. Und später
Lächelt man fast unter Trümmern und Scherben
Über so manches vernabte Ade.

Den der Tod tut nicht weh.
Nur das Sterben.

-Mascha Kaléko

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